Es fällt vielen Paaren schwer, über Finanzen zu sprechen. Vor allem Frauen wurde eingeredet, es sei unromantisch, Geld zu thematisieren. Dabei ist es jedoch existenziell wichtig. Dani Parthum erklärt, wie Paare ein offenes und ehrliches Gespräch über Geld führen können.

Finanzen als häufiges Streitthema

Geld gehört neben der Frage, wer was im Haushalt erledigt und wie die Kinder erzogen werden, zu den häufigsten Streitthemen in Beziehungen. Wir haben nicht gelernt, in Partnerschaften Geld offensiv anzusprechen und gleichberechtigt darüber zu verhandeln. Uns fehlen hier Rituale, Vorbilder, ein gesellschaftlicher Konsens – und teils die passenden Worte.

Historische Hintergründe

Verheiratete Frauen waren auch bis Ende der 1970er-Jahre in der Bundesrepublik finanziell durch das Bürgerliche Gesetzbuch entmündigt. Sie durften beispielsweise nicht selbst bestimmen, ob und in welchem Umfang sie berufstätig sein wollen. Das Sagen beim Geldverdienen, Einteilen des Haushaltseinkommens und Verwalten des Familienvermögens hatten die Ehemänner – während die Frauen nichts zu sagen hatten. Entsprechende Machtgefälle finden wir bis heute. Mann vertritt seine Interessen, Frau ordnet sich unter. Zumindest in der Bundesrepublik war es so. In der DDR war das anders; dort war Berufstätigkeit Bürgerpflicht.

Frauen verdienen ihr eigenes Geld

Frauen leben längst selbstbestimmt, verdienen ihr eigenes Geld und wollen Partnerschaft und Ehe auf Augenhöhe leben – freilich auch finanziell. Dabei wissen etwa 40 Prozent der Frauen nicht, welches Einkommen ihr Partner hat. Verschiedene Umfragen ergeben ein ähnliches Bild. Vor allem Männer ärgern sich, wenn ihre Partnerinnen in ihren Augen nutzlose Ausgaben tätigen. Und besonders Nicht-Akademikerinnen würden ohne ihre Partner finanziell nicht über die Runden kommen.

Probleme bei der Geldverteilung

Paare reden zwar zunehmend offener über Finanzen, die frühere Machtverteilung aber sitzt noch oft mit am Tisch. Ein typisches Problem bei Paaren ist auch, wie die festen Ausgaben verteilt werden — prozentual zum Einkommen oder in einer festen Relation. Oder sie will für die Rente sparen, er aber haut das Geld für seine Hobbys raus. Und beim Urlaub besteht er auf Luxus, obwohl sie nur Geld für den Campingplatz hat. Noch ein Beispiel: Er zieht in ihre Eigentumswohnung und weigert sich, einen Mietanteil zu zahlen, obwohl sie noch den Hypothekenkredit abträgt. Tenor: Warum sollte ich dir helfen, Vermögen aufzubauen?

Reden über Ängste, Wünsche und Bedürfnisse

Was viele unterschätzen: Reden wir als Paar über Ausgaben, Freizeitgestaltung, Vermögensaufbau, Hauskauf, Kinder großziehen, Ausgleich entgangener Rentenansprüche durch Familienzeiten — reden wir nur vordergründig über Geld. Tatsächlich tauschen wir Ängste, Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte aus und das, was wir wirklich wollen und brauchen. Es ist also wichtig, als Paar offen und ehrlich über Geld zu sprechen, um eine gemeinsame finanzielle Zukunft zu planen.

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