Polizei und Staatsanwaltschaft haben Zweifel an der Geschichte des Jungen
Ein ukrainischer Junge hatte behauptet, dass er von einem Mann, der Russisch sprach, von einer Brücke in Einbeck geworfen wurde. Die Polizei und Staatsanwaltschaft haben nun erhebliche Zweifel an dieser Aussage. Die Staatsanwaltschaft in Göttingen plant, die Ermittlungen zum Sturz des zehnjährigen Jungen von der Brücke einzustellen. Laut der Behörde aus der niedersächsischen Stadt ergaben die Ermittlungen, dass der Junge nicht von einem Mann ins Wasser geworfen wurde. Es wird angenommen, dass sich der Vorfall anders abgespielt hat.
Neue Erkenntnisse nach Vernehmung von Zeugen
Nach der Vernehmung weiterer Zeugen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Junge sich beim Spielen am Kanal den Fuß an einer Scherbe oder einem anderen scharfen Gegenstand aufschnitt und blutete. Später kam es offenbar zu einem Streit mit einem Mann, der in Begleitung einer Frau und dreier Kinder war. Der Junge und seine Begleiter sollen Schimpfwörter gerufen haben. Die Ermittler gehen jedoch nicht davon aus, dass der Mann das Kind geschubst hat. Der Junge kletterte auf einen schmalen Stahlträger, um über das Brückengeländer zu steigen. Nach Aussage des Jungen habe der Mann ihn am T-Shirt gepackt und geschubst. Die Polizei schätzt jedoch, dass der Junge das Gleichgewicht verlor. Andernfalls wäre er wahrscheinlich rückwärts gefallen, erklärte ein Sprecher. Der Junge landete jedoch nach eigenen Angaben mit den Füßen im 20 Zentimeter tiefen Wasser.
Der Junge beschuldigte einen Unbekannten aus Angst vor Ärger zu Hause
Die Ermittlungen ergaben, dass der Junge befürchtete, Ärger zu Hause zu bekommen, aufgrund seiner verschmutzten Kleidung und der Fußverletzung. Deshalb beschuldigte er einen Unbekannten. Der ursprüngliche Tatverdacht basierte auf Zeugenaussagen, Blutspuren am Stahlträger und einem ärztlichen Bericht aus dem Krankenhaus. Der Junge hatte erzählt, dass der Mann sich darüber beschwert hatte, dass er und andere Kinder Ukrainisch sprachen. Die Staatsanwaltschaft plant nun, das Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen versuchten Totschlags einzustellen.
