Auswirkungen auf die Kinder

In Kolumbien hat die Einstellung der US-Entwicklungshilfe erhebliche Auswirkungen auf die humanitäre Unterstützung, die Drogenbekämpfung und die Friedensförderung. Esteban Reyes, der nationale Leiter der SOS-Kinderdörfer in Kolumbien, berichtet von einem Rückgang des Sicherheitsnetzes seit Anfang 2025. Viele Familien leiden unter Lebensmittel- und Wasserknappheit, während Förderprogramme für Jugendliche wegfallen. Dies führt zu einem Anstieg der Schulabbrecher und einer Zunahme von Jugendlichen, die von Banden rekrutiert werden. Reyes betont: „Im Zentrum dieses Sturms stehen die Kinder!“

Kolumbien als Beispiel

Kolumbien ist nicht das einzige betroffene Land. Die SOS-Kinderdörfer haben eine Serie gestartet, die die Folgen der Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID und den Stopp zentraler Förderprogramme für Kinder und Familien in verschiedenen Ländern beleuchtet. Kolumbien ist eines der ersten Beispiele, gefolgt von weiteren Berichten aus Afrika, Asien und Osteuropa.

Bedrohung durch bewaffnete Gruppen

Bislang gehörte Kolumbien zu den größten Empfängern von USAID-Geldern in Südamerika, mit einer Unterstützung von rund 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2024. Diese Mittel deckten ein breites Spektrum ab, einschließlich humanitärer Hilfe, auf die laut UN mindestens acht Millionen Menschen im Land angewiesen sind. Dazu zählen Geflüchtete aus Venezuela oder Ecuador sowie Menschen, die aufgrund bewaffneter Gruppen kaum Zugang zu Nahrung und Gesundheitsdiensten haben.

Verlust von Bildungsangeboten

Reyes hebt hervor, dass die Streichungen insbesondere in den pazifischen und grenznahen Regionen spürbar sind, die zu den konfliktbeladensten Gebieten gehören. Viele Einsatzteams der humanitären Hilfe wurden dort über Nacht entlassen, was zur Schließung von Bildungsangeboten und Schutzräumen für Kinder führt.

Kokainproduktion und Gewalt

Kolumbien ist weltweit führend in der Kokainproduktion, wobei etwa 70 Prozent des Staatsgebiets von Guerilla-Gruppen und Banden kontrolliert werden, die um die Kontrolle der illegalen Koka-Anbaugebiete kämpfen. Schätzungen zufolge sind mehr als 8,4 Millionen Menschen aufgrund von Zwangsrekrutierungen, Vertreibung und Gewalt betroffen. Reyes warnt, dass der Wegfall psychosozialer Unterstützungsprogramme für Jugendliche in diesen gefährlichen Regionen dazu führen könnte, dass noch mehr junge Menschen in die Perspektivlosigkeit abrutschen und die Kriminalität als einzigen Ausweg sehen.

Steigende Not von Geflüchteten

Darüber hinaus ist Kolumbien ein Transit- und Einwanderungsland für geflüchtete Menschen, was die humanitäre Situation weiter verschärft. Die Herausforderungen, mit denen die Aufnahmegemeinschaften konfrontiert sind, nehmen ebenfalls zu.

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