Erdogan und Kilicdaroglu liegen dicht beieinander
Die Wahlen in der Türkei sind hart umkämpft, da der amtierende Präsident Erdogan und sein stärkster Herausforderer Kilicdaroglu nahe beieinander liegen. Die Opposition hat Zweifel an den Daten der Staatsagentur geäußert und spricht von einem „taktischen Manöver“.
Erdogan bezeichnet Oppositionsäußerungen als „Raub des nationalen Willens“
Während der laufenden Auszählung der Wählerstimmen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Oppositionsäußerungen als „Raub des nationalen Willens“ bezeichnet. Kilicdaroglu hatte zuvor erklärt, er liege vorn. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu lag Erdogan am Sonntagabend nach der Auszählung von 80 Prozent der Stimmen bei knapp über 50 Prozent, Kilicdaroglu bei rund 44 Prozent. Sollte kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 28. Mai zu einer Stichwahl.
Opposition zweifelt Angaben der Staatsagentur an
Die Opposition hatte zuvor die von Anadolu gemachten Angaben angezweifelt. „Die Fiktion, die mit 60 Prozent angefangen hat, ist mittlerweile auf unter 50 Prozent gesunken“, schrieb Kilicdaroglu. Er wie auch Erdogan riefen die Wahlbeobachter auf, die Auszählung bis zum Ende zu beaufsichtigen. „Wir werden heute Nacht nicht schlafen“, schrieb Kilicdaroglu auf Twitter.
Opposition wirft Regierungspartei „taktische Manöver“ vor
Die Opposition warf Erdogans islamisch-konservativer Regierungspartei „taktische Manöver“ bei der Stimmauszählung vor. Ihren Angaben zufolge liege Kilicdaroglu knapp vorne, erklärten die Bürgermeister von Istanbul und Ankara bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Hauptstadt. Die islamisch-konservative AKP Erdogans lege bewusst Einspruch gegen die Ergebnisse in Hochburgen der Oppositon ein. Dadurch werde die Auszählung langsamer gemacht, und das Ergebnis falle zunächst zugunsten der Regierung aus.
Ergebnis der Wahlen in der Türkei gilt als richtungsweisend
Die Wahl in der Türkei gilt als richtungsweisend und wegen der zu erwartenden innen- und außenpolitischen Auswirkungen als eine der weltweit wichtigsten in diesem Jahr.
Erdogan mit so viel Macht wie noch nie
Seit der Einführung eines Präsidialsystems vor fünf Jahren hat der 69 Jahre alte Erdogan so viel Macht wie noch nie. Der Kandidat eines ultranationalistischen Parteienbündnisses, Sinan Ogan, lag laut Anadolu bei rund 5,3 Prozent. Muharrem Ince von der Vaterlandspartei hatte seine Kandidatur kurz vor der Wahl zurückgezogen, sein Name stand aber noch auf den Stimmzetteln. Nachdem 60 Prozent der Stimmen bei den Parlamentswahlen ausgezählt wurden, kam Erdogans Parteienbündnis nach Angaben von Anadolu auf rund 52 Prozent. Die Oppositionsallianz rund um Kilicdaroglus CHP erlangte gut 33 Prozent der Stimmen, das Oppositionsbündnis mit der prokurdischen Partei HDP gut 9 Prozent.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in der Türkei weiterentwickeln wird und welche Auswirkungen die Wahlen auf die politische Landschaft haben werden.
