Frühlingsbräuche zu Pfingsten

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es zu Pfingsten zahlreiche Bräuche, die sich um die wiedererwachte Natur im Frühling drehen. Obwohl Pfingsten ein christliches Fest ist und an die Gründung der Kirche erinnert, wird das Datum auch genutzt, um den Frühling zu begrüßen.

„Dreckschweinfest“ im Mansfelder Land

Ein besonderer Brauch ist das „Dreckschweinfest“, das seit 1620 in nur vier Dörfern im Mansfelder Land jährlich zu Pfingsten gefeiert wird. Das Ziel des Festes ist es, den Winter auszutreiben. Im letzten Jahr kamen etwa 800 Menschen zu dem Fest, und die Veranstalter hoffen, dass nach der Pandemie noch mehr Besucher kommen werden. Beim „Dreckschweinfest“ stoßen sich junge Männer am Pfingstmontag in einer Kuhle gegenseitig in den Schlamm. Die „Dreckschweine“ werden von sogenannten „Läufern“ attackiert, indem diese mit langen Peitschen die „Dreckschweine“ aus der Kuhle jagen. Die „Läufer“, ganz in weiß und mit vielen bunten Accessoires behangen, symbolisieren den Sommer, die schlammverkrusteten „Dreckschweine“ den Winter. Das gesamte Fest ist auf der bundesweiten Liste des immateriellen Kulturerbes als „Pfingsttanz in den Grunddörfern“ verzeichnet.

Ringreiten als Überbleibsel aus dem Mittelalter

Ein weiterer Brauch ist das Ringreiten, das aus dem Mittelalter stammt. Zu Pfingsten gab es damals Massenzusammenkünfte, die in Anlehnung an die Versammlung frommer Männer in der Bibel abgehalten wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa hielt seinen ersten Hoftag zu Merseburg an Pfingsten ab. Heute ist das Ringreiten als immaterielles Kulturerbe auf der bundesweiten Liste verzeichnet. Bei dem Spiel muss ein Reiter im Galopp einen kleinen Ring mit einer Lanze aufspießen. In Sachsen-Anhalt wird mitunter statt der Lanze ein Stock, auch Stecher genannt, verwendet. Rund 20 Gemeinden tragen Turniere aus, darunter Pömmelte, Reppichau und Calbe.

Räuberfeste und andere Bräuche

In Anhalt, Beesedau, Lebendorf und Strenznaundorf sowie im Mansfeldischen Walbeck werden sogenannte Räuberfeste veranstaltet. Dabei wird von den „Räubern“ eine junge Frau „geraubt“ und zu ihrem Räuberlager mitten in der Natur „verschleppt“. Die gesamte Dorfbevölkerung ist auf den Beinen, um die junge Frau, die „Prinzessin“, zu befreien. Es gibt viel Knallerei und ein einzigartiges Schauspiel. Anderswo werden Wagen oder Personen mit Blättern verziert. Vor allem im Saale-Unstrut-Gebiet und im Mansfeldischen gibt es unzählige Pfingstgesellschaften, die mit grünem Laub geschmückt sind.

Fazit

In Sachsen-Anhalt gibt es zu Pfingsten viele Bräuche, die sich um den Frühling und die Wiedererwachung der Natur drehen. Ob beim „Dreckschweinfest“, beim Ringreiten oder bei den Räuberfesten – die Traditionen werden seit Jahrhunderten gepflegt und sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Region.

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