Am Dienstagmorgen wurden die Bewohner des noblen Moskauer Vororts Rubljowka von Drohnen überflown. Zwischen acht und 32 Drohnen sollen Moskau anvisiert haben, mindestens fünf von ihnen trafen ein Ziel. Mehrere Drohnen schlugen in die obersten Etagen von Hochhäusern ein, eine Drohne sauste in die Gärten der Rubljowka hinunter. Keine der Drohnen hatte Sprengstoff geladen. Die Einschläge verursachten nur Sachschäden. Rubljowka ist der nobelste Fleck des riesigen Reichs Wladimir Putins. Hier leben Oligarchen, Funktionäre und Stars. Auch die Familie des Kreml-Chefs hat hier mehrere Anwesen, genauso wie seine engen Freunde Arkadij und Boris Rotenberg, die als seine persönlichen Portemonnaies gelten.
Während die Moskauer mit purem Unglauben auf die Drohnen-Angriffe reagieren, blickt der Rest des Landes mit einer gewissen Schadenfreude auf die Bewohner der russischen Hauptstadt. Diese Schadenfreude bemerkte auch der Chef-Propagandist Wladimir Solowjow. In den Kommentaren zu seiner Show „Solowjow Live“ hagelte es ätzende Bemerkungen, was beim Liebsten Hetzer Putins eine kleine Kernschmelze verursachte.
„Warum schreibt ihr so einen Mist?“, wollte er von seinen Zuschauern wissen. „Gefällt es euch etwa, dass der Angriff Moskau gilt? Fangt ihr vielleicht auch noch an den Nazi-Ukrainern zu applaudieren?“, giftete er und wiederholte die allgegenwärtige, freierfundene Mär der Kreml-Propaganda, Putin kämpfe in der Ukraine gegen Nazis. „Warum freut ihr euch so? Ach, Rubljowka! Leben denn auf der Rubljowka keine russische Menschen? Sind das nicht unsere Landsleute? Ach, Moskau! Leben denn alle Moskauer auf Smoothies und Falafeln?“, fragte er sein Auditorium in Anspielung auf das Hipster-Leben, für das die Bewohner der russischen Hauptstadt im Rest des Landes verschrieen sind.
„Was denkt ihr, wer ihr sied?! Oder sind wir kein geeintes Land, kein geeintes Volk mehr!“, dröhnte Solowjow. „Vergreift euch nicht im Ton! Kommt mal zu euch! Sonst arbeitet ihr mehr im Interesse ukrainischer Geheimdienstler als im Interesse der Heimat“, warnte er die schadenfrohen Kommentatoren, den Vorwurf des Verrats immer in greifbarer Nähe. „Ihr seid keine Stars geworden! Also schiebt euere Egos euch in den Arsch!“, warf er seinen Zuschauern entgegen.
Putin reagierte auf die Drohnen-Angriffe mit einer stotternden Geschichts-Stunde.
Es bleibt abzuwarten, ob weitere Drohnen-Angriffe auf Russland folgen werden.
