Die Europäische Zentralbank (EZB) plant eine weitere Zinserhöhung, um gegen die hartnäckig hohe Inflation zu kämpfen. Für Sparer könnte das eine gute Nachricht sein, aber die Auswirkungen auf Kreditnehmer sind weniger erfreulich.
Die Inflation bleibt hoch
Trotz der Einschätzung von Volkswirten, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat, ist eine deutliche Entspannung bei den Verbraucherpreisen nicht in Sicht. Die EZB hat weiterhin ein ausgeprägtes Inflationsproblem, so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Warum ist hohe Inflation gefährlich?
Je höher die Inflation ist, desto stärker wird das Geld entwertet. Verbraucher können sich für einen Euro immer weniger leisten. Im April lagen die Verbraucherpreise im Euroraum laut einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat um 7,0 Prozent über dem Vorjahresmonat und damit deutlich über dem EZB-Ziel einer jährlichen Teuerungsrate von mittelfristig zwei Prozent.
Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale
Steigen die Löhne als Reaktion auf die hohe Inflation zu stark, kann das die Preise weiter nach oben treiben. Unternehmen können gestiegene Löhne als Rechtfertigung für weitere Preiserhöhungen heranziehen, was zu einer Lohn-Preis-Spirale führen kann. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane sieht steigende Löhne bislang nicht als wichtige Quelle für die hohe Inflation an, erwartet aber, dass die Löhne nun schneller steigen werden.
Die Maßnahmen der EZB
Die EZB erhöht die Leitzinsen, um die Inflation zu senken. Erhöhungen der Leitzinsen verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. Allerdings wirken Zinserhöhungen in der Regel erst mit einer Verzögerung von eineinhalb bis zwei Jahren, so Bundesbank-Präsident Joachim Nagel.
Auswirkungen auf Sparer
Nach jahrelanger Flaute profitieren Sparer von steigenden Zinsen für Tagesgeld und Co. Im Schnitt gibt es nach Daten des Vergleichsportals Verivox bei bundesweiten Tagesgeldangeboten 0,97 Prozent Zinsen und damit mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. In der Spitze locken Institute mit 3 Prozent und mehr. Wer sein Geld für zwei Jahre fest anlegt, erhält bei bundesweit aktiven Banken im Schnitt 1,34 Prozent.
Auswirkungen auf Kreditnehmer
Steigende Zinsen bedeuten höhere Kosten für Kredite. Kreditnehmer müssen mit höheren Zinsen rechnen, was zu höheren monatlichen Raten führen kann. Insbesondere bei variablen Zinssätzen können die Auswirkungen schnell spürbar sein.