Nach dem Rücktritt von Brandenburgs Bildungsministerin Ernst hat ihr Nachfolger Freiberg erste Vorschläge gemacht, um dem Lehrermangel zu begegnen. Der SPD-Minister hat am Wochenende im Landesschulbeirat angekündigt, dass er die Pädagogen dazu motivieren will, später in Rente zu gehen.

Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung

Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt Freiberg vor, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte ab dem vollendeten 63. Lebensjahr um maximal zehn Stunden zu reduzieren. Jedes Jahr erreichen in Brandenburg etwa 600 Lehrkräfte das 63. Lebensjahr. Wenn mehr als die Hälfte dieser Pädagogen das Angebot annehme, sei bereits viel gewonnen, so der Minister. Derzeit gehen rund 80 Prozent der Brandenburger Lehrkräfte vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand. Mit einer Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung auf bis zu 17 Stunden an Grundschulen und 15 an weiterführenden Schulen sollen die Pädagogen motiviert werden, bis zum regulären Renteneintritt im Schuldienst zu bleiben.

Andere Aufgaben für Pädagogen

Anstelle der reduzierten Unterrichtsstunden sollen die Pädagogen in den Schulen für andere Aufgaben wie Beratung von Referendaren, Arbeitsgruppen oder Unterstützung der Schulleitung eingesetzt werden.

Werbekampagne und finanzielle Entlastung der Schulen

Um den Lehrermangel zu bekämpfen, plant Freiberg außerdem eine großangelegte Werbekampagne in den sozialen Medien im ganzen deutschsprachigen Raum, um ausgebildete Lehrkräfte und Seiteneinsteiger aus anderen Berufen zu gewinnen. Dafür will er einen Etat von zwei Millionen Euro im Jahr einsetzen.

Als weitere Maßnahme zur Entlastung der Schulen sollen diese künftig die finanziellen Mittel in einem gewissen Umfang in eigener Regie für ergänzende Unterrichtsangebote, Assistenzen oder etwa Schulsozialarbeit einsetzen können.

1800 neue Lehrkräfte im kommenden Schuljahr

Im kommenden Schuljahr müssen in Brandenburg 1800 Lehrkräfte neu eingestellt werden. Weil so viele Pädagogen und Seiteneinsteiger auf dem Markt kaum zu gewinnen sind, wollte Freibergs Vorgängerin Britta Ernst (SPD) 200 Lehrer-Stellen umwidmen und dafür Verwaltungskräfte oder Sozialarbeiter einstellen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass an den Schulen zusätzliche Angebote wie Förderunterricht oder Ganztagsangebote gestrichen werden müssten. Weil dies auch in der eigenen SPD-Fraktion im Landtag und bei den mitregierenden Grünen auf Widerstand stieß, war Ernst Mitte April zurückgetreten.

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