Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) warnt vor den Gefahren des Mercosur-Handelsabkommens für die deutsche Landwirtschaft und Verbraucher. Präsident Friedrich-Otto Ripke erklärt, dass eine Flut von billigem Geflügelfleisch, das unter wesentlich geringeren Standards produziert wurde, den EU-Markt überschwemmen würde. Dies würde nicht nur Arbeitsplätze vernichten, sondern auch Verbraucher benachteiligen und die Pläne für eine Weiterentwicklung der heimischen Nutztierhaltung untergraben.
Brasilien als führendes Mitglied des Mercosur-Blocks
Brasilien ist weltgrößter Exporteur von Geflügelfleisch, produziert jedoch unter deutlich niedrigeren Tierhaltungs-, Tier-, Klima-, Umweltschutz- und Lebensmittelhygienestandards. Der ZDG befürchtet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher billiges Fleisch fragwürdiger Qualität aufgetischt bekommen und dadurch Arbeitsplätze in der heimischen Geflügelwirtschaft vernichtet werden.
Skandale in der brasilianischen Fleischwirtschaft
Bereits ohne das Mercosur-Abkommen sind die Einfuhren von Geflügelfleisch aus Brasilien in die EU von 2021 auf 2022 um rund 25% auf über 313.000 Tonnen angewachsen. Dabei kam es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder zu Skandalen in der brasilianischen Fleischwirtschaft, die von Nichteinhaltung von Tierwohl-Vorschriften über mangelnde Hygiene in Schlachthöfen bis zum Verkauf von Fleisch, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet war, reichten. Auch nach Aufdeckung des vorerst größten Skandals im Jahr 2017 wurden weiterhin Verstöße gegen EU-Vorgaben bei Inspektionen entdeckt.
Forderung nach Neuverhandlung oder Ablehnung des Abkommens
Laut einer Nachhaltigkeitsuntersuchung im Auftrag der EU-Kommission könnten die Einfuhren von Geflügel- und Schweinefleisch aus den Mercosur-Ländern nach Inkrafttreten des Abkommens um nochmals knapp 80% zunehmen. Der ZDG fordert daher, dass das Agrarkapitel des Mercosur-Abkommens komplett neu verhandelt oder der gesamte Vertrag abgelehnt werden muss. Für Ripke sei es sehr verwunderlich, dass die Bundesminister der Grünen Robert Habeck und Cem Özdemir mittlerweile für die Ratifizierung des Mercosur-Freihandelsabkommens werben. Dabei hätten viele ihrer Parteifreunde genau diesen Schritt noch vor wenigen Jahren abgelehnt. „Die Agrarminister, die Bundesregierung und die im Bundestag vertretenen Parteien dürfen sich jetzt nicht durch unverbindliche Erklärungen oder Gremien vom Inhalt des Vertrages ablenken lassen!“, fordert Ripke.
Über den ZDG
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) vertritt als berufsständische Dach- und Spitzenorganisation die Interessen der deutschen Geflügelwirtschaft auf Bundes- und EU-Ebene gegenüber politischen, amtlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern.
