Eine neue Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, bestätigt die Krise des deutschen Bildungssystems. Die internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) zeigt, dass jedes vierte Kind in der vierten Klasse in Deutschland nicht richtig lesen kann. Das bedeutet, dass 25 Prozent der Kinder in dieser Altersstufe nicht das Mindestniveau beim Textverständnis erreichen, das für die Anforderungen im weiteren Verlauf der Schulzeit nötig wäre. Im Vergleich zur letzten Iglu-Erhebung, die Ende 2017 veröffentlicht wurde, ist der Anteil dieser Gruppe um sechs Prozentpunkte gestiegen.
Die Studienautoren bezeichnen den Anteil der betroffenen Schülerinnen und Schüler mit großen Leseschwierigkeiten als „alarmierend hoch“. Wenn diese Gruppe den Rückstand nicht aufholen kann, werde sie in ihrer weiteren Schullaufbahn „erhebliche Schwierigkeiten in fast allen Schulfächern haben“. Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger bezeichnete die Ergebnisse der Lesestudie als „alarmierend“. Gut lesen zu können sei eine der wichtigsten Grundkompetenzen und das Fundament für Bildungserfolg.
Die Studie zeigt auch, dass Grundschüler in Deutschland international bei der Lesekompetenz schlechter abschneiden als Gleichaltrige in vielen anderen Ländern. Die Autorinnen und Autoren stellen der deutschen Bildungspolitik ein schlechtes Zeugnis aus und sagen, dass die Ziele für die Weiterentwicklung der Bildung in Deutschland, die vor mehr als 20 Jahren im Zuge des sogenannten Pisa-Schocks formuliert wurden, an vielen Stellen verfehlt wurden.
Die Iglu-Tests werden seit 2001 im Fünf-Jahres-Rhythmus durchgeführt. Verantwortlich ist das Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. Gefördert wird das Projekt von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesbildungsministerium. Die aktuelle Erhebung stammt von 2021. Mitgemacht hatten rund 4600 Schüler aus 252 vierten Klassen in Deutschland. Sie bekamen jeweils Sach- und Erzähltexte und dazugehörige Verständnisaufgaben, die sie an Laptops lösen mussten. International nahmen rund 400.000 Schülerinnen und Schüler aus 65 Staaten und Regionen teil. Den Spitzenplatz belegt Singapur mit 587, ganz hinten steht Südafrika mit 288.
Weitere Ergebnisse der Studie
Die Iglu-Studie reiht sich in die Ergebnisse anderer Bildungsstudien ein. Im vergangenen Jahr hatte der IQB-Bildungstrend gezeigt, dass Viertklässler in den sogenannten Basiskompetenzen in Mathe und Deutsch in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefallen sind.
Hintergrund der Iglu-Tests
Die Iglu-Tests werden seit 2001 im Fünf-Jahres-Rhythmus durchgeführt. Verantwortlich ist das Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. Gefördert wird das Projekt von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesbildungsministerium. Die aktuelle Erhebung stammt von 2021. Mitgemacht hatten rund 4600 Schüler aus 252 vierten Klassen in Deutschland. Sie bekamen jeweils Sach- und Erzähltexte und dazugehörige Verständnisaufgaben, die sie an Laptops lösen mussten. International nahmen rund 400.000 Schülerinnen und Schüler aus 65 Staaten und Regionen teil.
