Die landesweite Informations- und Dokumentationsstelle Antisemitismus in Schleswig-Holstein (Lida-SH) hat im Jahr 2022 insgesamt 79 antisemitische Vorfälle im Norden Deutschlands registriert. Im Vergleich zum Vorjahr (70 Vorfälle) ist dies ein Anstieg.
Massives antisemitisches „Grundrauschen“
Laut Joshua Vogel, dem Leiter der Dokumentationsstelle, handelt es sich bei diesen Vorfällen um ein massives antisemitisches „Grundrauschen“. Obwohl es im Norden keine schwerwiegenden körperlichen Angriffe auf jüdische Menschen gab, beobachtet die Dokumentationsstelle vermehrt ernst gemeinte Versuche, Menschen zu schädigen.
Antisemitische Aussagen und Beleidigungen am häufigsten dokumentiert
Die meisten dokumentierten Vorfälle waren antisemitische Aussagen und Beleidigungen, gefolgt von Schmierereien im öffentlichen Raum und antisemitischen Mails. Die Dokumentationsstelle betont jedoch, dass es ein immenses Dunkelfeld antisemitischer Vorfälle gibt, die nicht erfasst werden.
Jüdisches Leben bleibt weit entfernt von Normalität
Die Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, Viktoria Ladyshenski, betonte, dass das jüdische Leben nach wie vor weit entfernt von Normalität bleibt. Die Sorge, immer und überall mit Antisemitismus konfrontiert zu werden, beunruhige viele Juden massiv. Der Vizepräsident des Verbandes Jüdischer Studierender Nord, Ari Inger, ergänzte, dass junge jüdische Menschen in Deutschland zunehmend weniger Lust hätten, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und in eine Opferrolle gedrängt zu werden.
Gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Gerhard Ulrich, der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus des Landes, betonte, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Es müsse die Gesellschaft weiter und stärker sensibilisiert und befähigt werden, jeder Form von Antisemitismus entgegenzutreten.
