Am Landgericht München II hat der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler im Betrugsprozess um manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos sein angekündigtes Geständnis abgelegt. Stadler bestätigte vor Gericht mit einem „Ja“ eine von seiner Verteidigerin verlesene Erklärung, in der er sein Fehlverhalten eingestand. Die Diesel-Kanzlei Dr. Stoll & Sauer sieht durch das Geständnis auch Auswirkungen auf das Verfahren gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn am Landgericht Braunschweig.
Winterkorn-Prozess: Schlinge zieht sich zu
„Immer mehr Menschen aus dem Umfeld von Winterkorn sind geständig, die Schlinge zieht sich langsam zu“, sagte Christian Grotz, Geschäftsführer der Kanzlei. Die Chancen der Diesel-Kläger auf Schadensersatz sind enorm gestiegen. Das Leugnen vor Gericht hat ein Ende. Dr. Stoll & Sauer rät Betroffenen zur Beratung im kostenlosen Online-Check.
Porsche im Dieselskandal verwickelt?
Als erstes Mitglied des VW-Konzernvorstands hat Stadler den Vorwurf des Betrugs durch Unterlassen im Dieselskandal vor Gericht eingestanden. Die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München II hatte ihm eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt, wenn er umfassend gesteht und eine Geldstrafe von 1,1 Millionen Euro zahlt. Ansonsten hätte Stadler mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen müssen. Die Staatsanwaltschaft hat der vorgeschlagenen Absprache des Gerichts bereits zugestimmt.
In den vergangenen Jahren hatte der ehemalige Audi-Chef und ehemalige VW-Vorstand stets seine Unschuld beteuert und auch im laufenden zweieinhalbjährigen Prozess daran festgehalten. Nach Einschätzung der Kammer hatte Stadler spätestens im Juli 2016 erkannt, dass die Abgaswerte manipuliert sein könnten. Anstatt die Angelegenheit zu untersuchen und die Handelspartner zu informieren, ließ er den Verkauf der Fahrzeuge jedoch bis Anfang 2018 weiterlaufen.
Prozessende voraussichtlich im Juni
Mit dem Geständnis könnte der seit September 2020 andauernde Prozess voraussichtlich im Juni zu einem Ende kommen. Bereits gestanden haben der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung, Wolfgang Hatz, und zwei leitende Ingenieure, die die Ausgestaltung der Motor-Software angeordnet hatten. So wollten die Autobauer den aufwendigen nachträglichen Einbau größerer Adblue-Tanks für die Abgasreinigung vermeiden. Auch Hatz und ein Ingenieur können laut Zusagen des Gerichts mit einer Bewährungsstrafe rechnen. Das Verfahren gegen den anderen Ingenieur wurde bereits gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.
