Zum 90. Geburtstag der ostdeutschen Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) wird im Juli 2023 die erste Biographie über sie veröffentlicht. Die Autorin galt als streitbar und lebenslustig, starb jedoch bereits im Alter von 39 Jahren. Die Biographie enthält bislang unbekanntes Archivmaterial sowie Interviews mit Zeitzeugen und wurde von Autor Carsten Gansel verfasst, der Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland und Vorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft ist.
Auszüge bei Lesung in Neubrandenburg vorgestellt
Carsten Gansel stellte bereits Auszüge aus der Biographie bei einer Lesung des Stasi-Unterlagen-Archivs im Rahmen des „Bücherfrühlings 2023“ am Donnerstagabend in Neubrandenburg vor. Der Titel der Biographie lautet „Ich bin so gierig nach Leben – Brigitte Reimann“. Besonders die Tagebücher der Autorin seien wertvolle Zeitzeugnisse, so Gansel. Sie hätten die Perspektive des Authentischen und zeigten unter anderem, dass Reimann schon in den 1950er Jahren mit DDR-Oppositionellen verkehrte, die eine Demokratisierung der DDR planten.
Prägende Schulzeit in Burg
Gansel betonte, dass vor allem die Schulzeit Reimanns in Burg prägend für sie gewesen sei. Der Schriftsteller Wolfgang Schreyer habe ihr später geholfen, von einer Verpflichtung für die Staatssicherheit loszukommen. Trotzdem wurde Reimann noch in ihren letzten Jahren in Neubrandenburg vom DDR-Geheimdienst überwacht, wie Gansel erklärte. Die Tagebücher aus den Jahren 1970 bis 1973 seien jedoch bis heute verschwunden.
Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg
In Neubrandenburg erinnert das Brigitte-Reimann-Literaturhaus an die Autorin. Es wurde auf dem Grundstück gebaut, wo Reimann zuletzt lebte, und beherbergt ihren Nachlass sowie den anderer Autoren wie Helmut Sakowski. Reimann zählt zu den bekanntesten und kritischsten Autoren Ostdeutschlands und ihr bekanntester Roman ist „Franziska Linkerhand“.
Die Biographie über Brigitte Reimann wird beim Aufbau-Verlag erscheinen.
