Die WHO-Nutrition Guidance Expert Advisory Group (NUGAG) hat kürzlich ihre Leitlinie zur Verwendung von Süßungsmitteln veröffentlicht und empfiehlt darin, dass kalorienfreie Süßstoffe nicht als Mittel zur Gewichtskontrolle oder zur Verringerung des Risikos nichtübertragbarer Krankheiten eingesetzt werden sollten. Diese Empfehlung widerspricht jedoch einer von der WHO selbst in Auftrag gegebenen Übersichtsstudie, die den Verzehr von kalorienfreien, mit Süßstoffen gesüßten Getränken als unbedenklich und sogar als positiv für die Gewichtsabnahme bzw. das Gewichtsmanagement bewertet.
Auswahl von Referenzstudien wirft Fragen auf
Die Tatsache, dass die WHO eine Empfehlung ausspricht, die sich nicht mit ihrer eigenen Studienlage deckt und eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Studien, die den Nutzen von Süßstoffen bestätigen, aus ihrer Bewertung ausschließt, ist wissenschaftlich fragwürdig. Die Auswahl von Referenzstudien wirft Fragen auf und führt zu einer unnötigen Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher.
WHO-NUGAG-Leitlinie zur Verwendung von Süßungsmitteln
Die WHO-NUGAG bewertet ihre Empfehlung selbst als „schwach“ und die Argumentation der Leitlinie bleibt ebenso schwach. Obwohl die WHO-Studie ausdrücklich die nützliche Rolle von kalorienfreien Süßungsmitteln bei der Verringerung der Zucker- und Energieaufnahme und damit bei der Gewichtsabnahme unterstützt, rät die WHO-NUGAG von ihrer Verwendung zur Gewichtskontrolle ab.
WHO-Empfehlung bedient politischen Meinungstrend
Die Empfehlung der WHO-NUGAG widerspricht dem aktuellen Forschungsstand und bedient stattdessen einem ernährungspolitischen Trend, der weg von einer ausgewogenen und kalorienarmen Ernährung geht und hin zu einem Geschmacksdiktat, mit dem die geschmacklichen Präferenzen von Verbraucherinnen und Verbrauchern grundlegend verändert werden sollen. Es gibt keinen eindeutigen Konsens darüber, ob Süßungsmittel langfristig zu einer Gewichtsabnahme führen oder ob sie bei gewohnheitsmäßigem Verzehr im Rahmen der zulässigen Tagesdosis langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.
Die Ernährungswissenschaftlerin und fachliche Ansprechpartnerin des Süßstoff-Verband e.V., Anja Roth, resümiert: „Die WHO-NUGAG folgt nicht dem aktuellen Forschungsstand, sondern einem ernährungspolitischen Trend.“
